Argentinien und Europa: Kultur, Migration und Identität

Das Kernthema des Projekts war Argentinien als lateinamerikanisches Land mit tiefen europäischen Wurzeln. Meine eigene Biografie – europäische Abstammung, italienische Staatsbürgerschaft und Familiennamen unterschiedlicher europäischer Herkunft – diente dabei als lebendige Brücke zwischen beiden Kontinenten.
Eine Kappe auf einem Stapel Lehrbücher mit einem Federmäppchen und einem Globus mit Europa und der Welt, vor einem verschwommenen grünen Hintergrund.
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In der ersten Stunde begannen wir mit einem Ratespiel („Woher komme ich?“), bei dem Schülergruppen mir Ja-/Nein-Fragen stellen durften, um meine Herkunft zu erraten. Anschließend erläuterte ich die geografische Lage Argentiniens, seine Klimazonen und Landschaften sowie die Geschichte der europäischen Einwanderung zwischen 1870 und 1930. Ich stellte konkrete Beispiele vor: die Gründung der Brauerei Quilmes durch den deutschen Einwanderer Otto Bemberg, das Oktoberfest in Villa General Belgrano und den Einfluss der italienischen Einwanderung auf die argentinische Aussprache und den Lunfardo-Slang. Als Hausaufgabe recherchierten die Schüler eigene Verbindungen – z. B. europäische Familiennamen argentinischer Fußballspieler oder Exportprodukte nach Europa.

Die zweite Stunde begann mit der Präsentation der Hausaufgaben. Danach besprachen wir Argentiniens Rolle in der Weltwirtschaft und als Handelspartner der EU (Soja, Rindfleisch, Lithium), das politische System als föderale Republik und Parallelen zum deutschen System. Es folgte ein kultureller Teil mit argentinischen Feiertagen, Traditionen, Musik und Tanz. Zum Abschluss konnten die Schüler Mate probieren, Empanadas und Alfajores kosten, und ihr Wissen in einem Kahoot-Quiz testen.

Die Verbindungen von Argentinien zu Europa waren der rote Faden meines gesamten Projektes. Durch verschiedene, konkrete Beispiele wurden sie sichtbar: Meine eigene Familiengeschichte – ein italienischer Ururgroßvater, meine italienische Staatsbürgerschaft und Familiennamen unterschiedlicher europäischer Herkunft – diente als persönlicher Ausgangspunkt.

Foto von Candela Poggi. Frau mit langen dunklen Haaren und braunen Augen.
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Ich erläuterte den Schülern, dass laut Volkszählung von 1914 fast 30 % der argentinischen Bevölkerung im Ausland geboren war – größtenteils in Europa – und dass genetische Studien heute einen europäischen Anteil von etwa 65 % im argentinischen Erbgut belegen. Ich erklärte, wie der Einfluss der italienischen Einwanderung die Aussprache des Rioplatense-Spanisch geprägt hat, und stellte Lunfardo-Begriffe mit ihren europäischen Wurzeln vor (z. B. „laburo“ vom italienischen „lavoro“ oder „pibe“ vom italienischen „pivello“).

Besonders hob ich den deutschen Einfluss hervor: die Gründung der Brauerei Quilmes 1890 durch den Kölner Otto Bemberg (dessen Sohn in München das Brauhandwerk erlernte) sowie das Oktoberfest in Villa General Belgrano, das von deutschen Einwanderern ins Leben gerufen wurde und heute zu den größten in Südamerika gehört.

Das Projekt war für mich eine außergewöhnlich bereichernde Erfahrung. Es hat mich dazu gebracht, meine eigene Herkunft und Identität tiefer zu reflektieren und diese auf eine Weise zu vermitteln, die andere wirklich bewegt. Die Schüler waren beeindruckend neugierig und engagiert – besonders das Ratespiel zu Beginn und die Verkostung argentinischer Speisen am Ende haben eine herzliche und offene Atmosphäre geschaffen. Es hat mir sehr viel bedeutet zu sehen, wie ein Thema, das für mich sehr persönlich ist, auch für junge Menschen in Deutschland relevant und interessant sein kann. Europa macht Schule hat mir gezeigt, dass kultureller Austausch auf Augenhöhe funktioniert – und dass Migration keine abstrakte Erscheinung ist, sondern etwas, das in Gesichtern, Namen, Sprachen und Rezepten lebt.

Projektangaben

Studentin: Candela Poggi
Herkunftsland: Argentinien
Studienfach: Energietechnik
Schule: Samuel-von-Pufendorf-Gymnasium Flöha
Schulform & Klasse: Gymnasium, 11. Klasse