Pinocchio erzählen
Silvia hat in einer Tübinger Grundschule die bekannte Geschichte von Pinocchio und dadurch ihr Heimatland Italien nähergebracht. Spielerisch konnten die Schülerinnen und Schüler in die Geschichte eintauchen.

Pinocchio wird lebendig – Ein Theaterprojekt der Klasse 3a
Die Geschichte von Pinocchio ist vielleicht die berühmteste italienische Geschichte der Welt, neben der Divina Commedia von Dante. Für Grundschulkinder ist sie besonders spannend: lustige Abenteuer, magische Figuren und eine klare Moral – nicht lügen, auf die Eltern hören und fleißig sein.
Im Kontext des Projekts Europa macht Schule ist die Geschichte Pinocchios auch auf einer anderen Ebene wertvoll: der der interkulturellen Reflexion. In meinem Projekt lernten die Schülerinnen und Schüler einiges über Italien, Florenz und den Autor Carlo Collodi und lernten erste italienische Wörter. Vor allem aber machten sie die Geschichte zu ihrer eigenen.
Mein Projekt wurde auf zwei Tage aufgeteilt:
Am ersten Tag wurde zuerst Pinocchio vorgestellt: Wer ist er? Aus welcher Stadt kommt er? Die Schüler/-innen teilten ihre Kenntnisse und machten Vorschläge. Die Geschichte wurde dann anhand von projizierten Bildern spielerisch erzählt: die Kinder erzählten mit und interagierten mit der Geschichte. Gemeinsam haben wir festgestellt, dass es verschiedene Varianten der Geschichte gibt, die kleine Unterschiede aufweisen: heißt er „Feuerfresser“ oder „Feuerschlucker“? Ist es ein „Hai“ oder ein „Seemonster“?
Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich in der nächsten Phase mit den Figuren aus der Geschichte und beschrieben sie schriftlich, sowohl ihr Äußeres als auch ihre Persönlichkeit. Dabei lernten sie die Figuren besser kennen und stellten sie der gesamten Klasse vor. Diese Phase sollte als Vorbereitung für den nächsten Tag dienen.
Am zweiten Tag arbeiteten die Schüler/-innen wieder in Gruppen: Jede Gruppe bekam eine Szene von Pinocchios Geschichte mit jeweils unvollständigen Dialogen. Die Schülerinnen und Schüler sollten die Geschichte vervollständigen und sie somit eigenständig mitgestalten.
Sobald alle Dialoge fertig geschrieben und grob gelernt waren, kam es zur letzten Phase des Projekts: Das Theaterstück! Alle Schüler/-innen hatten im Voraus von zuhause verschiedene Verkleidungsstücke und Requisiten mitgebracht und führten die Szenen probeweise und vor der Kamera auf.
Das Ergebnis war ein Theaterstück, an dem alle Kinder der Schulklasse teilgenommen haben. Sie teilten sich Verkleidung und Gegenstände, ermutigten und halfen sich gegenseitig, kamen auf einzigartige Ideen zur Realisierung der Szenen (z.B. eine 3D-Brille für Geppetto, ein Tisch als Bett, ein Guinness-Rekord Buch als Schulbuch, und vieles mehr). Das Video wurde geschnitten, bearbeitet und mit der Schule geteilt.
Im Anschluss sammelten die Schülerinnen und Schüler ein paar Tipps für Pinocchio auf einem Plakat, das in der Klasse geblieben ist. Außerdem erhielten sie im Gegenzug einen von mir im Namen Pinocchios geschriebenen Brief, in dem er sich bei ihnen bedanke, dass sie seine Geschichte erzählt haben.
Ein echter Italiener wird zum Europäer
Die Geschichte von Pinocchio ist bereits jahrzehntelang um die Welt gereist und ist auch bei Kindern in Deutschland häufig bekannt. Das Projekt konnte aber noch mehr erzielen als den Kindern einfach die Geschichte nahezubringen: Pinocchios Geschichte wurde zu ihrer Geschichte, die sie mit ihren unterschiedlichen Stärken, Vorkenntnissen, Vorlieben und Ideen miterzählten und mitgestalteten. Das Theaterstück ist somit das Ergebnis einer internationalen Kooperation.Es hat sehr viel Spaß gemacht!
Projektangaben
Studentin: Silvia Nania
Herkunftsland: Italien
Studienfach: Italienisch Lehramt
Schule: Grundschule an der Steinlach, Tübingen
Schulform & Klasse: Grundschule, 3. Klasse